Vorab sei gesagt, dass es viele verschiedene Arten von Flake Soil geben kann und jeder gutes Flake Soil herstellen kann, in dem er für sich das richtige Rezept findet.  Auch ich werde hier mein Rezept „verraten“, denn es ist für mich absolut kein Geheimnis, was man an meinen Beiträgen im Käferforum und in der Bugs Nr. 7 bereits ausführlich erfahren kann.

Der Begriff

Der Name Flake Soil ist Englisch und bedeutet Flocken-Erde/Boden. Mir kam der Begriff erstmalig zu Ohren, als ich im Jahr 2009 die Fortsetzung der Käferzucht-Bibel „For the love of rhinoceros and stag beetles II“ in den Händen hielt. Dort wurde in kleineren Abschnitten immer wieder erklärt, welche Arten dieses Futter besonders mögen und wie es hergestellt wird. Dies war die Geburtsstunde von Flake Soil in Deutschland und Europa. In Asien (insbesondere Japan) war es zu der Zeit bereits das Standardsubstrat für die Käferzucht, was es in vielerlei Varianten auf dem Markt zu kaufen gab. Klar ist, dass die großen Erfolge in Japan hinsichtlich Größenrekorde auch auf Flake Soil zurückzuführen sind.

Warum?

In totem Holz des Waldes steckt weitaus mehr Leben als in lebendem Holz. Heißt: Tausende von kleinen Insekten und Pilzen könnten in einem toten Stück Holz leben. Darum! Man hört immer wieder, dass Käferzüchter in den Wäldern unterwegs sind und Kleinstbiotope in Form von morschen Ästen einsammeln und diese im Häcksler zuhause zerstören. Ein hochqualitatives Substrat aus Säge-Kuppelprodukten bietet daher einen würdigen Ersatz: Flake Soil, ist die Lösung!

Vorgang und Herstellung

Mein Flake Soil wird aus den Ausgangsstoffen Sägemehl und Sägespäne hergestellt. Gelegentlich bekomme ich weißfaule Bruchstücke aus der Kaminholzherstellung die ich im Häcksler zerkleinere. Dies stammt von Baumstämmen, die zu lange im Wald gelagert haben und vom Brennholzhersteller unverkäuflich sind und ansonsten auf das Feld ausgebracht würden. Das Ausgangsholz besteht zu 90 % aus Eiche und Buche. Gelegentlich erhalte ich kleine Mengen von Sägemehl und Spänen von Ahorn und Birke. Nadelholz ist als Substrat wegen des hohen Harz-Anteils ungeeignet.   

Das Sägemehl erhalte ich aus einem nahegelegenen Sägewerk. Sägespäne fallen als Abfallprodukt bei der Brennholzherstellung im Nachbarort an. Zur Ölung der Kette wird Bio-Kettensägenöl verwendet, was bei der Fermentation schnell abgebaut wird.

Die Ausgangssubstrate werden mit Mehl vermischt und für mindestens 3 Monate im fermentiert. Während dieser Zeit wird regelmäßig gemischt, da das Zentrum des Behälters durch die entstehende Wärme schnell austrocknet.

Ausgangssubstrate2.jpg

Das Mehl sorgt in diesem Fall für eine stark ansteigende Vermehrung von Bakterien, die das Lignin durch eine Depolymerisierung in den Sägespänen zu kürzeren Monomeren und Polyphenolen abbauen und die für Larven wichtige Cellulose schonen. Polyphenole werden dann mit Hilfe von Polyphenolasen (Enzymen) weiter zu Chinonen zerlegt, wobei in Verbindung mit Stickstoff die charakteristische Braunfärbung des Substrates entsteht. Die Cellulose wird im Darm der Larve mit Hilfe der Darmbakterien aufgeschlüsselt  und dient der Larve als Energielieferant. Letztlich wird bei diesem Prozess auch Energie in Form von Wärme frei.

Was unterscheidet  weißfaules Holz von Flake Soil?  Beim weißfaulen Holz sorgt ein Pilz für den Abbau des Inhaltsstoffs Lignin. Dem Käferzüchter geht es also im Grunde darum einen möglichst geringen Lignin Anteil im Holz bzw. im Substrat wie Flake Soil zu haben. Lignin ist für die Käferlarven nicht verdaulich und kann erst in seinen enzymatisch zerlegten Bestandteilen aufgenommen werden, bzw. im geringen Umfang im Darm mikrobiell zerlegt werden.

Nun kann ein Pilz aber ein weitaus gefräßigerer Organismus sein als ein Bakterium, der weitere Inhaltsstoffe des Holzes insbesondere zur Fruchtbildung braucht. Jene können der Käferlarve zur optimalen Nährstoffversorgung später fehlen.

 

Aktuell stelle ich auch Versuche mit alternativen Energielieferanten an, die die Fermentation beschleunigen können und stabiler machen.

Nach mindestens 6 Wochen, wenn das Flake Soil fertig ist, wird es von mir vor Verkauf noch einmal eingefroren. Es können sich Schädlinge in den Sägespänen befinden, die mit dem Auge nicht sichtbar sind. Das Flake Soil wird dann für ca. 48 Stunden eingefroren und tötet sämtliche Schädlinge restlos ab.

Außerdem zu beachten

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich für eine Zufütterung der Larven durch Additive keine Verantwortung übernehmen kann (siehe AGB und insbesondere das mitgesendete Handout). Energiereiche Additive können vereinzelt dazu führen, dass eine erneute Fermentation in Gange kommt. Darüber hinaus ist Flake Soil ein Naturprodukt. Soll heißen: Auch andere Insekten und Spinnentiere (Milben) wissen über die Vorzüge dieser energiereichen Kost und lassen sich dort nieder. Insbesondere wenn andere Käferlarven auf natürlichen Substraten (Laubwaldhumus und weißfaulem Holz) im gleichen Raum gehalten werden, kann es zu einer Übertragung von Schädlingen kommen. Für diese bietet Flake Soil ebenfalls einen hervorragenden Nährboden. Gleiches gilt auch, wenn Flake Soil mit anderen Substraten vermischt wird. Für eine Durchmischung mit anderen Stoffen trägt also der Verwender die Verantwortung.

Lagerung

Bei der Lagerung muss besonders auf eine ausreichende Lüftung geachtet werden. Ich versende das Flake Soil in Kunststoff-Säcken. Wird der Sack aufgeschnitten und der Sack somit offen gelagert kann das Flake Soil mindestens 2 Monate in einem kühlen Bereich (Keller, Dachboden, Garage) gelagert werden. Wer aber auch eine Zuchtbox mit ausreichenden Lüftungslöchern übrig hat, kann das FS auch dort hinein geben. Wichtig ist, dass sich vorher keine Schädlinge (z.B. Milben, Trauermücken) darin und in der Umgebung befinden. Weitere Hinweise zur Nutzung und Lagerung enthält das ausführliche Handout Flake Soil, welches nach dem Erwerb mit versendet wird.

Nach wie vor sollte Flake Soil als Futter bei nahezu allen Riesen- und Hirschkäfern anzuwenden sein. Ausnahmen sind bislang nur bei den auf Kinshi züchtbaren Arten wie Allotopus sp. bekannt. Auch einige Rosenkäfer wie Mecynorrhina sp und ähnlich große Arten wie Goliathus sp. gedeihen in Flake Soil hervorragend.

 Zum Schluss noch ein Video von einem zufriedenen Kunden, in dem auch noch einige Informationen geteilt werden. Viel Spaß beim schauen!